Über mich

Mein Urgroßvater konnte zaubern, mich hat als Kind der Holzfuchs verfolgt. Heute treffe ich regelmäßig Untote – nämlich in der Früh auf dem Weg zur Arbeit.
Meine ganze Geschichte erfährst du hier.
23. Mai 2017

Die Phantasie und das Schreiben

Heute verbringe ich einen Teil meiner Arbeitswoche als Ingenieur im Kundendienst. Ich erlebe die unterschiedlichsten Leute mit den unterschiedlichsten Anfragen, was an sich schon interessant ist. Wenn ich – wie das oft vorkommt – für meine Kunden nach Antworten recherchiere, bin ich in meinem Element. Ich bin jemand, der sich gern in fremde Welten stürzt.

Auf diesen Reisen habe ich etwas bemerkt. Geektum, Ingenieurwesen und Phantastik decken sich:

In diesem ganz und gar phantastischen Arbeitsalltag begegnet man gelegentlich am Montagmorgen einem Untoten; Hexen oder Feen trifft man allerdings nicht. Meine Kunden laden mich in ihr Leben ein, worauf ich mir von ihnen erzählen lasse, was sie so tun und wie wichtig es ihnen ist. Das ist für mich eine sehr schöne Art zu arbeiten. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr verstehe ich, dass mich diese Neugierde und ein gewisser Wille, etwas Phantastisches im Alltag zu entdecken, schon immer begleitet haben.

Die Großmutter und der Holzfuchs

Im Wald wohnt der Holzfuchs. Wenn es finster wird oder wenn auf den Wiesen der Nebel hervorkriecht, dann traut er sich aus dem Wald und dann wartet er an der Straße. Er wartet auf Kinder wie dich, um dich zu stehlen. Also schnell nach Hause, bevor es dämmert!
Meine Großmutter (als ich sechs Jahre alt war)

Meine Großmutter hatte mich ja schon mit den Geschichten vom zauberkundigen Urgroßvater erschaudern lassen. Aber ihre dunkle Phantasie beschränkte sich nicht nur auf ihn, sondern erstreckte sich auch auf die Gegend. Alte Bauernhäuser stehen dort lose zwischen Feldern und keines dieser Häuser hat einen Keller. Denn einige Bäche durchziehen den Ort, die Wiesen sind sumpfig und stauen das Wasser. Manchertags wabert der Bodennebel über diese Wiesen.

Die Großeltern wohnen am Wald, am Ende einer Teerstraße. Diese führt zwischen Häusern entlang, immer wieder tut sich ein kleines Feld auf. Am anderen Ende der Straße steht das Haus meiner Eltern und dahinter beginnen wieder nebelige Äcker. Die Geschichten meiner Großmutter haben diese Heimat geprägt und deshalb habe ich als Kind bei Besuchen immer sehr auf die Zeit geachtet. Aber bis heute weiß ich nicht, wie der Holzfuchs eigentlich aussieht.

Elric von Melniboné und düstere SciFi

Meine Eltern pflegen eine wilde Bibliothek unterschiedlichster Bücher. Mit meinem Lesegeschmack allerdings hatten sie Pech, denn ich holte mir die Literatur von meinen beiden Onkeln.

Mich beeindruckte Michael Moorcocks Antiheld Elric von Melniboné. Zwanzig Jahre vor meiner Geburt das erste Mal veröffentlicht, waren die Geschichten um einen kränklichen Elfenkönig wegweisend für die Dark Fantasy. Er hasst sein grausames Volk, muss sich aber wegen seiner Krankheit mit dem eigenwilligen, bösartigen Schwert Sturmbringer einlassen. Es lindert seine körperlichen Leiden, zwingt ihn aber zu Grausamkeiten, die er kaum erträgt.
Vor einigen Jahren habe ich das Buch wieder ausgegraben. Es ist immer noch ein dunkles Fest, wenn auch mehr für den Genre-Liebhaber in mir – auf Lovelybooks schreibe ich mehr über den Roman. In seinem kitschigen alten Heyne-Cover spiegelt sich meine Kindheit, ich verbinde diesen Coverstil noch heute mit Fantasy und vermisse ihn auch ein wenig, wenn ich durch eine Buchhandlung streife.

Ich las mich durch dicke SciFi-Kurzgeschichtenbände unterschiedlicher Autoren. Isaak Asimov beschrieb in einer Geschichte einen Roboter, der wegen eines Defekts Kunst schafft. Ein Autor, dessen Namen ich bisher nicht wiederfinden konnte, schrieb über eine Familie, die sich vor Regen ängstigt. Ein weiterer von einer übervölkerten Welt, in der man auf jeder Wasseroberfläche Nähralgen züchten muss.
Ich bin 1984 geboren, zum Höhepunkt des Kalten Kriegs und 2 Jahre vor der Atomkatastrophe von Ternobyl. Albtraumhafte Vorstellungen müssen meine Elterngeneration geplagt haben, als ich und die anderen meines Alters klein waren. Einen Hauch davon merke ich, wenn ich an diese alten Kurzgeschichtenbände denke.

Ich schreibe diesen Text als Vater einer sehr kleinen Tochter. Es ist einer der kältesten Winter der letzten zwanzig Jahre nach einem der wärmsten Sommer seit Aufzeichnung. Donald Trump und seine Gesinnungsgenossen zerstören die Illusion einer internationalen Gemeinschaft, während unser Plastikmüll Schildkröten, Wale und Zugvögel tötet. Ich denke an die alten Bücher und verstehe, warum heute Dystopien wieder gute Verkäufe machen. Fantasy und SciFi sind für mich dort am stärksten, wo sie unsere heutige Welt widerspiegeln.

Kleine Literatur

Als Kind war mir das alles nicht so klar.
Ich suchte intuitiv das Zwiespältige. Den Holzfuchs, der Menschen stiehlt. Den mächtigen Fantasyhelden, der an den Schattenseiten seiner Macht verzweifelt. Die Science Fiction, die unsere heutige Situation weiterspinnt.
Aber ich kam nicht darauf, den Bogen zu mir zu schlagen. Ich schrieb meine erste Kurzgeschichte mit 9 oder 10 Jahren. In dieser Geschichte versuchte ein Goblin, aus einem Gefängnis auszubrechen.

Jeder fängt mal klein an.


„Die Verletzung des Schülers war zu auffällig, um sie zu ignorieren. Das jedenfalls dachte Herr Albrecht, als er die Tür des Lehrerzimmers öffnete und draußen den Jungen stehen sah. Gelegen kam es ihm nicht, denn er hatte kaum Zeit.“

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